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Neuseeland, "Aotea ora " Das Land der weißen Wolke

<< Land und Leute Teil I

Land und LeuteNoch vor der Wende zum 19. Jahrhundert machten sich die ersten Robben- und Walfänger, Händler und Hasardeure auf die lange Reise um in Neuseeland ihr Glück zu suchen. So rau wie nicht wenige dieser Zeitgenossen war auch häufig das soziale Klima in den ersten siedlungen. Der fragwürdige Ruf des berüchtigten Ortes Kororareka, später Russel, drang als "Höllenloch im Südpazifik" nach Europa. Die Repräsentanten der britischen Krone hatte alle Mühe ohne entsprechende Rechtsgrundlagen Ordnung zu schaffen. Dennoch ist Russell einer der ruhigsten und entspannersten Orte im Bay of Island geworden, und der neben traditionellen alten Gebäuden und Handwerksläden die Idylle der Ewigkeit verbreitet.

Hier befindet sich auch das namentlich älteste Pub Neuseelands. Das "Duke of Marlborough", ein etwas nobles und dennoch gemütliches Domizil wird von einem deutschen Aussiedler Ehepaar geführt.

Um der damaligen Eskalation Einhalt zu gebieten mussten Entscheidungen über Land und Rechtsansprüche dringend eingeleitet werden. Somit schickte die brit. Krone im Jahre 1833 einen direkten Vertreter Namens James Busby, um für Ordnung zu Sorgen und den Handel mit den Maori zu fördern. Außerdem sollte er um notwendige Landkäufe verhandeln. Er zeigte sich aber weniger erfolgreich. Ein weiterer Gesandter, Captain William Hobson, reiste dann 1837 nach NZ. Ihm gelang es einen Vertrag mit den Maori auszuhandeln, der zum Fundament der neuseeländischen Nation werden sollte: Im Treaty of Waitangi wurde die Souveränität der Briten unter Queen Victoria festgeschrieben, und die Maoris verpflichteten sich, Land ausschließlich an sie und ihre Repräsentanten zu verkaufen. In einem weiteren Artikel stellte sie die Maori ausdrücklich unter ihren "königlichen Schutz" und sicherte ihnen alle Rechte und Privilegien britischer Staatsbürger zu.

Am 6. Februar 1840 wurde der Vertrag von Waitangi von 46 Maori- Häuptlingen unterzeichnet, welchen in den darauffolgenden Monaten weitere folgten, alle in der Hoffnung Vorteile für den eigenen Stamm zu erzielen. Allerdings wurde dieser Vertrag aufgrund raffinierter Auslegungen der Engländer nicht selten Quelle von Auseinandersetzungen und eskalierte in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu bewaffneten Konflikten und immer wieder aufflackernden Kriegen. Erst 135 Jahre nach Vertragsschluss, im Jahre 1975, etablierte Neuseeland einen eigenen Gerichtshof für Streitfälle um Maori Rechte. Das damit Unrecht das vor über 100 Jahren begangen wurde bei weitem nicht wieder ausgeglichen werden kann situiert sich bis heute als Problem nationaler Konflikte. Denen versucht die Regierung mit Reha Programmen und Reparationszahlungen in Millionhöhe entgegenzuwirken. Doch verkauftes Land, das schon lange bebaut oder von Farmern genutzt wird, kann genauso schlecht wieder in Maori Verwaltung zurückgeführt werden, wie die Tatsache, daß den Maoris wichtige Teile ihrer einst so freien und traditionellen Kultur verlorengegangen sind.

Dennoch lohnt es sich in der Region des East Cape auf der Nordinsel, wo zu 98 % Maoris leben, sich einmal umzuschauen und den Spielen und Shows in und Nahe Rotorua den Rücken zu kehren.

Nach der Proklamation der britischen Souveränität wurde Neuseeland dann am 16. November 1840 entgültig zur eigenständigen Kolonie erklärt. Russell war für eine kurze Zeit die Hauptstadt Neuseelands; dann verlegte der Wegbereiter der Nation, Hobson, inzwischen bereits zum Gouverneur ernannt, seinen Amtssitz 1841 von der Bay of Islands nach Auckland. Viele organisiere Einwander- Transporte aus GB ließen die europäische Bevölkerung ab 1840 schneller wachsen. Auf der Südinsel, damals noch weniger unter britischen Einfluss, hatten sich indessen auch französische siedler niedergelassen. Doch die systematische, organisierte Kolonialisierung durch die Briten ließ ein französisch werden nicht zustande kommen. Dennoch erinnern bei wachem Auge Namen und Plätze an Zeiten ohne die "British Influence".

Der Goldrausch Mitte des 19. Jahrhunderts und das wertvolle bernsteinartige Harz des Kauri- Baumes lockten weitere Einwanderer und Abenteurer aus allen Teilen der Welt nach NZ; auch aus Kalifornien und China. Später folgten Inder und Kroaten, nach 1945 Holländer in größerer Zahl. In den Bergen und abgelegenen Randgebieten von Nationalparks haben Hippies in den 70er Jahren ein neues zu Hause gefunden und leben dort noch heute ohne jegliche finanziellen Hilfe und Geld vom Staat. Bauen ihr eigenes Gemüse an und leben von und mit der Natur.

Bis 1865 tagte das Parlamentweiter in Auckland, dann wurde der Sitz der Zentralregierung und des Parlaments in die neue Hauptstadt Wellington verlegt. Die sechs Provinzregierungen verloren wenig später an Bedeutung und wurden aufgelöst. Die meisten Kiwis sehen allerdings noch heute Auckland als die "heimliche Hauptstadt" an. Das hat aber wenig mit politischen als kulturellen Gründen zu tun. sie sehen Auckland als Sprungbrett zur Welt (oder wie man sagt to the Continental) und Finanz- und Wirtschaftszentrum des Landes. Am 25. November nahm Neuseeland das immerhin bereits 16 Jahre zuvor vom brit. Parlament verabschiedete Statute of Westminster an, in dem für alle Dominions Neuseelands der Weg zur Autonomie geebnet worden war. Das kommt einem Ende der Kolonialisation und entgültigen Selbstverwaltung gleich. Andererseits stellten die Neuseeländer ebenso eindrucksvoll schon früh ihre politische Selbstständigkeit unter Beweis. So als sie z.B. vor rund 100 Jahren Sozialgesetze verabschiedeten: Mit Kindergeld, kostenloser Gesundheitsversorgung und Bildung für alle, Altersrenten und Sozialversicherung für Arbeitnehmer gehört Neuseeland zu den Pionieren des modernen Wohlfahrtsstaates. In Sachen Demokratie zeigten sie der Welt als erstes, dass es im Sinne der Nation ist das Wahlrecht für Frauen festzusetzen.

Als eines von nur noch wenigen Ländern der Erde hat der Inselstaat übrigens noch keine fest geschriebene Verfassung. Dafür hat die australische Verfassung für das Nachbarland einen Platz freigehalten: Wenn es die Neuseeländer wollen, könnten sie zum siebten Bundesstaat Australiens werden. Das ist aber bei dem herzlichen Verhältnis zwischen beiden eine eher theoretische Frage, oder ähnlich der Europäischen Union eine Idee zur Verbesserung wirtschaftlicher Verhältnisse und damit für die stolzen Kiwis graue Politikertheorie.

Die Nabelschnur zum einstigen Mutterland ist zweifellos gekappt und Neuseeland musste sich mit wegbrechenden Absatzmärkten und Wirtschaftskrisen wohl oder übel neu orientieren. Hohe Arbeitslosigkeit, politische Instabilität und Konflikte mit den Maories sowie leere Staatskassen sind aktuelle politische Streitpunkte und nicht selten hört man Neuseeländer über Missstände, Ausländer und drohende Umweltkonflikte Besorgnis bis Wut äußern. Das Ozonloch, das im Sommer bis zu 200 km an die Südküste von Stewart Island reicht sowie die Verknappung von Rohstoffen, der Abhängigkeit vom US- Dollar und wachsender Globalisierung von Land und Forstwirtschaft (den Standbeinen des Landes) lassen Wut und Ablehnung zur westlichen Welt aufkommen. Dennoch scheint den Kiwis eine gewisse Gemütlichkeit und Ruhe sowie der ausgeprägte Wille frei zu sein angeboren und gerade vom Touristen gern sehen zu sein.

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